
Schon immer war das Angeschautwerden aus diesen Augen das Tröstlichste, Beste, Gesundendste auf der Welt. Nächtelang durchgehustet. Kopfauf kopfab. Und nebenbei immer ein Huhn im Topf. Dem Trotz zur Verheißung. Damit sich Hoffnung nicht erschöpft, sondern salzig und heiß, mit allem Guten sich einverleibt werde. Kraftbrühe. Schon beim Aufsetzen. Überlebenswichtig. Gegen jeden Zweifel.



Vor der Tür steht „Urlaub im Alltag“. Drinnen praktische Böden in lichtgrau. Die unaussprechliche Concierge geht um 4 und morgens um 7 wird die Heizung entlüftet. Am Tisch das Schwiegerelternpaar in ihrer bestürzend hinreißenden Zerbrechlichkeit und der nicht verenden wollenden Hoffnung, morgen als jemand ganz anderes, ganz anderswo aufzuwachen. Als Prinzessin im Märchenschloss oder als ein Ungebundener, kräftig, mutig, jung. Die Angst in ihren Augen greift mir ins Herz. Und diese Sehnsucht nach einem ungebrochenen Leben, das auf der Strecke blieb.

Proustsches Weh und Behagen am Morgen. Und immer auch die Frage, seine, nach dem unvergehen der Zeit, das sich fängt in einer Tasse Tee. Für mich heute ohne Madeleine. Aber mit den unauslassbaren Schwedenkräutern. Möge es nützen. Auf dass mir noch lange Ewigkeit nur aus dem Vergänglichen aufsteige, sie mir meinetwegen ins Herz gelegt sei, bittesehr, aber sonst soll noch lange heute sein. Und morgen und gestern. Und Untröstlichkeit. Und Trost über einer Tasse Tee, die auf Russisch wie auf Deutsch nach Sommer riecht.
