Monat: Januar 2026 (Seite 1 von 4)

61. Türchentag

Schneewesentliches
findet sich
vielleicht
auf letzter Zacke
der Kante hin zur Schlafenszeit.
Rausgefegt
und grad noch so
im Gespräch vor der Tür
auf Abstand
schon voneinanderweg
und doch noch
im Begriff der letzten Chance
einer Umarmung
nocheinmal
aufeinanderzuzustürzen.
Wer weiß denn sowas schon
hier im Bermudadreieck
zwischen Salvatore
wo kein Carlo mehr
so sicher wie das Amen in der Kirche
beim Kehraus in der Türe steht
und raucht –
dort also zwischen
Aviation
und
der heißgeliebten Sommerbleibe 23
unter Juttas Dach.
Auf Augenhöhe jedenfalls
vorübergehend gestellt
zu Füßen
eines zugereisten Dorfes
aus Vietnam.
Südliche Sonne im Exil.
Diaspora wohin das Auge schaut.
Was sollen denn da zwei
in Eis und Schnee
auch sonst tun
als sich doppelt
gekugelt
vor Lachen
vielleicht
vielleicht auch
wenn schon ohne Carlo
dann doch
im Übermut der letzten Zigarettenpause
nachts auf der Kleinen Ulli
ins Sternenlicht einer Laterne
zu stellen
und zu leuchten.
Als zu erstrahlen
als ein Bild
für dich
und mich
das uns verheißt
dass
alles kann
nichts muss.
Dass wir Kristall und Sturm und Schlachten
in uns tragen.
Und dass wir Schicht um Schicht
zunehmen können
an Erfahrung.
Und dass wir aber
wenn es uns gefällt
genauso
unter Gottes schöner Sonne
verschmelzen dürfen miteinander.

60. Türchentag

Auf Eis
auf dünnem Faden
auf Messers Schneide manchmal
doch
wenn auch auf Zehenspitzen:
Da. Für alle.
Den Tisch gedeckt
hast du
grad laufen könnend
dich ins Zeug
gelegt.
Den Bauchschmerz dazu
hat sich
keiner eingestanden.
Und deine große Not
unvorstellbar
hat niemand
hat keiner von uns gesehen.
Das
zuckersüße Wundervollundgarnichtseltsamfinden
schon.
Uns zu verzeihen tragen wir
wies scheint
unmöglicher mit uns herum
als du.
Vergibst du
um
zu leben.
Zu lieben.
Zu sein.
Um Blumenkränze
Perlen und ein Lachen ganz tief aus dem Bauch
auf diese Welt
zu legen.
So sehr
mein liebes Nichtenkind
wünsch ich dir heute
Glück und Segen.
Und dein besitzbewusstes
„Ey! Meiner“
wünsch ich dir
neu erstanden.
Und obendrauf ein entrüstet frohlockendes
„Tante? Schöschenke?“.
So sehr
wünsch ich dir
dass
die Güte
die du gibst
zu dir
zurück gelangen möge.
Und jedes Würmchen
zwischen Leben und Sterben
zwischen Sachsen und MV
das
in deiner Obhut
deinem Arm
sich wissen darf
wird nicht
verloren sein
und wird nicht
ungetröstet
bleiben.
Welch eine Gnade.
Welch ein Glück.

59. Türchentag

Ein Teelicht
geht auf
überm Osten.
Der sich
bevölkert von
Geisha und Samurai
in aberhunderten von rollunfähigen Reisekoffern
aus asiatischen Bruderländern
per Jugendtourist
so wie diese hier
von Hanni höchstprekär
als Souvenir
heimgeschleppt
so
seine Bilder machte.
Von fernöstlicher Romantik
in mongolischer Steppe
nebst Chinesischen Kaisern
Kimonos und
sich in ihr eigenes Schwert stürzenden Kriegern.
Von Dschingis Khan
Kulturrevolution
und Roten Laternen.
Zerbrechlich
durchsichtig
im Zweck überholt
wie es scheint
und doch
und gerade deshalb
weil
dem Grusinischen Tee
Bahndamm
Dritter Schnitt
entronnen
so viel schöner.
Und so gehört es sich.
Weil doch
wir wissens
und der Rest solls hören
der geliebte Kronsohn
eben jener Hanni
aus der Augser 85
diesem Flintenweib
mit Kopfstimme
Turmfrisur
und Klunkerkette auf dem großen Busen
mit tanzendem Ohrschmuck
bei jedem Kopfgewackel
und diversem Herrenbesuch
deren einziger und heißgeliebter Einzelsohn
Manfred also
seines Zeichens
früher mal
der Stier von Flandern
und für mich
der Lieblingsanverwandte väterlicherseits
heute 87 Jahre wird.
Tee und Licht
und Segen
Putzmann Kevin
und dein unerschütterlicher Daseinswille
solang es Wurst
ein Auto
und Menschen gibt
die nach dir fragen
mögen dich
bewahren.
Lange lange lange noch.

58. Türchentag

Was du
verbirgst
in dir
vor aller Welt
vor Schreck
vor Furcht
vor dem
was andre sagen
könnten
muss ja gar nichts
Schlechtes sein.
Vielleicht
ist es sogar
das Schönste
was sie jemals
hätte sehen können.
Sie.
Die Welt.
Dies hätte brauchen können.
Schön
wie die Sonne
überm Meer
am Abend eines Sommertags.
Schön wie
der erste Stern
zur Blauen Stunde.
Schön wie
Scabiosa und Kaleidoskop.
Schön
wie der Zufall
dem 
du doch
nicht glaubst.
Noch nie.
Was du verbirgst
ist
aufgegangen
über dem Durchschnitt.
Messerscharf.
Unbeblutet.
Mutig.
Scheibchenweise freigegeben.
Sonne um Sonne.
Stern um Stern.