Autor: jotpunkt (Seite 2 von 27)

41. Türchentag

Irgendwas
ist ja immer.
Sagt JayJay
während er
etwas hintenübergebeugt
in den Knien
sich wiegend
mit gütigem Scharfblick
hinter seiner
Gelehrtenaugen machenden Brille.
In verschwörerischer
Eintracht
mit sämlicher Qualitätsgastronomie der Universitätsundhansestadt
die ihre Kreationen
klaglos und ohne Eitelkeit
mit der in jegliche
Kellnerinnenschürzentasche geschmuggelten
LBS-Kernemischung bestreut
Leinsamenbuchweizensonnenblume
und im Gegenzug
auf Botengänge
und
ja
sprachpolizistische Unterstützung
setzen darf.
Weil hier einer allen sprachlichen Zweideutigkeiten
an den Kragen geht
so dass am Ende
dann doch mal
die Frage ums Entwederoder
knallhart
und nicht mehr die nach meinem geliebten
Sowohlalsauch
gestellt werden will.
Und weil nun also
wie der kluge Sprachfuchs
wie gesagt
zu sagen pflegt
irgendwas ja immer ist
tut die kluge
Heimgekehrte
gut daran
noch am Ankunftstag
bei unwirtlichstem Wetter
und mit nach Rückkehr noch stundenlang abtropfenden
hässlichdreckigen Tauwasserpfützen
gutes Wurzelgemüse
und allerlei
Gebein vom Geflügel bis hin zu Herzen
einzuholen
um
der Assistenz
weil diese
brühenunbeschlagen
für den nächsten Morgen
minutiöse Anleitung zu geben
wie man aus all dem Guten
etwas noch Besseres
werden lässt.
Etwas
das dem fröstelnd ausgezehrten
zagenden
hochbedürftigen Leben
spendet
was es nötig hat.
Und das da heißt
Hühnerbrühe.
Denn:
irgendwas ist ja immer.

 

40. Türchentag

Gar nicht alles
was sein Maul aufsperrt
ist ein Monster.
Nicht alles
was brüllt
ist ein Schneesturm.
Und nicht alles
was heute aussieht
wie eine Katastrophe
ist sie dann
am Ende auch.
Und vielleicht braucht
jedes Monster ein Brüllen
und jeder Winter
seine Katastrophe
damit deine Zeit
sich dir
in die Arme legt
die sonst
so übervoll
überfordernd
und über die Maßen
ausgedehnt und aufgespannt
Überlastungsanzeigen
anzeigt
schon im Januar.
Jetzt aber rekelt sie sich.
Und sei es nur
für ein Wochenende
an dem
die Bahn
alle Fernzüge streicht
und alle Zugbindungen löst
und an dem die Menschen
zu Hause bleiben.
So verschimmelt
im Schwange
unaufgeräumt
und voll ungezähmter Dämonen
es auch sein mag.
In der Asystolie dieser Tage
wird
deine Zeit
witterungsbedingt sich weiten
zu einem freundlichen Raum
der Möglichkeiten.
In dem am Ende
Stille sein wird
und Nähe ohne Enge
Dürfen ohne Müssen
und zweckfreies Wirksamsein.
Und das freundliche Monster
das sich bei deinem
Ausdertürgehen zu spät versteckte
wird sich
den Bauch kraulen lassen
ohne Sturmsausen.
Mit leicht
vernehmbaren Bedauern
dass es nun doch wieder
für kein Tohuwabohu
verantwortlich zeichnen durfte.
Wie gut
dass es das
mit Humor nimmt.

39. Türchentag

So viel schönes
Wiedersehen
Zusammenkommen
Innigmiteinandersein
im geleerten
Gelehrtenzimmer
mit all den
überlieferten Geschichten
und den selbsteignen
Begegnungen
Gesprächen
geteilten Gedanken
über das Leben und
bester Dresdner Stolle
und liebevollst
geschältem Obst
vom gelehrten Ofenheizer
höchstselbst.
Unter
lauschenden Herzen
in der Praxis
für
Abschiedsunderwartungsmanagement
wo Geburtsgeschichten erzählt werden
genauso wie die
vom Begrabenwerden.
Weil alles dazugehört
hier
zum geliebten Dasein.
Auch der Schmerz.
Aber auch
die Offenbarung
dass die geöffnete Tür
zum Ausweg daraus
nichtsundniemand
zuschlagen kann.
Auf all das ist hier Brief und Siegel
gegeben
wo sie dir und sich selbst und einander
gut sind.
Und wo die Hüterin deinen Engel bewahrt
so
wie er sie.
Seit langer Zeit.

38. Türchentag

Und auch
wenn du nicht
alle Kerzen auf dem Lüster
der Tanne
der Torte hast
leuchtest du doch
hell und schön
und wirfst noch immer
das Fragment
eines wunderschön fragil
schattiglichtig
neunstrahligen Sterns
an die väterliche Zimmerdecke.
An die Decke nämlich
eines verlässlichen Himmels
aus Beton
hoch über den Himmeln
eines
wenn auch vorsätzlich gesetzten Gewölbes
das Steinfürstein
gemauert
ein bisschen wie einst
und doch ganz aufregend
jetzt
weil ihr es konntet
in den frühen Neunzigern
Rüdiger
ach Rüdiger mein Lieber auch von deiner Hand entstand.
Und Herrn Bratherings und co.
Unter dem Dach einer Kirche
die
dannaußerdem unglaublich dreist von Stufen strotz.
Weil ein Wolf nicht wuste
wie
nach links und rechts gucken
geht
und am Ende keinen Fuß
vor den anderen
mehr brachte.
Mein ist die Rache
spricht einer
der die Wege bereitet
ebnet und die Bahnen
gerade macht
wo Wolf
in Stufen dachte.
Mein ist die Höhe und die Tiefe
spricht er.
Ganz gleich
in welchem Aufzug.
Sei willkommen an der Krippe.
Und hier
beim Vater
zu der unter dem
sich um sich selbst drehenden Stern.
Wohin alle eilen.
Je heller so schneller.
Vielleicht seid ihr unterbelichtet.
Vielleicht auf einer anderen Ebene unterwegs als erwartet.
Vielleicht dreht ihr
euch immer und immer im Kreis.
So seid ihr doch
wunderbar gemacht. Einzig.
Aus einem Stück.
Von Meisterinnenhand.
In jedem Moment
neu vergoldet
vom Licht der Kerzen
steht ihr
an eurem Platz
von Vaters Hand gegeben.

37. Türchentag

Möge die Straße
uns zusammenführen
und schönstenfalls
sich wiegend
in der Sicherheit
gemächlicher Kurven
einen Walzer mit uns
auf den Asphalt legen.
Einszweidreieinszweidrei
Eins zwei drei.
Also du und ich und sie.
Und wer sonst noch
dabei sein mag
an diesem Tag der Erscheinung
um unter einem gemeinsamen Stern
Schätze aufzutun.
Den Schatz der Hilfe
in der Not
den Schatz der Freundlichkeit
den Schatz eines Ankommens.
Dann am Ende doch.
Und der Engel
sprach zu ihr:
Führe sie zusammen
von Osten und Westen
von Nord und Süd.
Fürchte dich nicht.
Ich bin da.
Und die Straße sprach:
Kommt her zu mir.
Ich will euch tragen.
Und so trägt sie und erträgt uns.
Einszweidreieinszweidrei.
Dich und mich und alle.
Denn sie weiß
es ist die Wacht
über ihr bestellt.

36. Türchentag

Sterne.
Geschubst oder gesprungen
letzendlich aber
dann doch gefallen.
Getan jedenfalls.
Wie
ist auch Schnuppe.
Und nicht nur dir.
Sondern allen
denen sie
glitzernd und leuchtend
vomhimmelhoch
vielleicht auch
einen Zacken aus der Krone
aber ungebrochen strahlend
wie dir
zu Füßen liegen.
Sich verbreiten
über die Erde
wie Abrahams Saat
die wir sind.
Sternenverwurzelt.
Unten wir.
Oben sie
die sich uns
auf den Weg
in den Schoß
das Haar
in Herz und Bauch
und Blick und Stunde
zu streuen
schon bereit machen.
Also.
Hab acht.
Sieh hin.
Schau her.
Und staune.

35. Türchentag

Wie mag es wohl sein
wenn du
schon
vonvornherein und auch nach der
soundsovielten Rechtschreibreform noch immer
einzig zum Zeichen einer Aus-
oder
würde gar jemand sagen
einer Unterlassung
in der Deutschen Schriftsprache
und nur da existent bist
weil du nämlich
phonetisch nichts zu melden hast
und aus allem Tönen raus bist
und ganz besonders jetzt
zur Jahrmarkzeit
vor Kälte schlotternd
ausgeschlossen
aus dem Dom der Klänge
vor dessen
verrammeltundverriegelten Pforten stehst.
Wo du also stehst
und dich fragst
ob es das ganze am Ende besser oder schlimmer
und
dich nicht eh zum Gespött
der schriftsensibel Hochnäsigen macht
wenn dich die Zunft der Imbissbetreibenden
Moni‘ s
Yvonne‘s
und Heiko ‘s
mit stilistisch fraglicher Zielsicherheit
aber in Schillerfarben und von Blinkelichtern umkränzt
adelt durch Verwendung.
Verwendung.
Aber eben
dort
wo du fehl am Platz bist
nicht hingehörst
nichts zu suchen
und nichts
verloren hast.
Und dann die Sache mit Oma.
Die hätte es besser gewusst
sag ich dir.
Hätten sie sie
mal gefragt
wo und wie du
an ihrer Seite
erscheinen hättest sollen und mögen.
Oder eben nicht.
Und vielleicht hätte sie
in ihrer
kollonial verwobenen madeiriensischen Weite
sich eventuell sogar
bereitgefunden
sich Granny nennen zu lassen
was in anglizistischem Sinne
die Auslassung
und dein Erscheinen
in Glanz und Gloria
über dem
von ihr
der Granny
nachweislich
heißgeliebten Eierpunsch
zur allseitigen Freude
und Zufriedenheit
gerechtfertigt
und ja
sogar erbeten gewesen hätte sein können.
Und so stehen wir nun.
Ein stummes
allerorten sich deplaziert fühlendes Apostroph.
Ich in meinem Mitgefühl.
Und eine sprachlich misshandelte Großmutter
mit einer Vorliebe für alkoholische Heißgetränke.
Da stehen wir. Am Anfang des Jahres.
Halten uns an den Händen
und sind froh
dass wir uns haben.
Und erzählen davon
wie es ist
die zu sein
die wir sind.

34. Türchentag

Behütet.
Bewahrt.
Bewährt.
Bedeckt.
Bedeckelt
Bewollt.
Bestrickt.
Von Licht umgeben.
Und im Unterholz
Verkappt.
Versteckt.
Verwoben.
Aber immernoch
und immerdar
und immerwieder
Behütet.
Gegengan.
Gegen mein verbohrt
undzutiefstüberzeugt
unddickkopfverschädeltes
Gefühl
dass mir Mützen
jede Würde rauben
und mir
Herrjemine
das Haupt
zum Feinde
machen werden. Egalwie.
Weil ihm
bislang
nicht zugetragen war
was es braucht.
Nämlich.
Einen bedachten Himmel
ganz nah und Weihnachtsmarktlich angelehnt
über sich.
Die Umsicht.
Und die Vorausschau.
Und eine kaschmirsanfte Hand
die mir die Ohren
lang
und unter diese Mütze zieht.
Lang
hat es gebraucht.
Lang. Für ein Bekenntnis
zu einer solchen Textilie.
Lang hat eine wissende Welt über mir auf mich
gewartet darauf
dass mir
Bemütztsein
Behütet Sein
bedeutet.
Ohne das ein Sein
nicht möglich ist.

33. Türchentag

Jede
aber wirklich
und unumstößlich jede
Dosentomatensuppe
wird immer
und immer und ganz sicher
bis in Ewigkeit
und nie mehr nicht
an diese eine erinnern.
Diese eine
die an diesem einen 6. Juni
hinter dem Löwenkopfknauf
einer Domstraßentür
die Treppe hoch
unter Stuckdecken
und Jochens bescheidwissendem Blick
serviert wurde.
Mit Wittschem Vollkornbrot.
Weil man nach dem ganzen Bildergucken
Staunen
Schweigen
Schauen
Reden
Wiederschweigen
jetzt aber mal
was in den Bauch kriegen musste.
Zwischen weißen Flügeltüren
und unserem
ganz unverhofft
ganz neu
und zugleich schonimmerundvonaltersherdagewesenen
Zugetansein.
Wehrlos vor
unserem umgewendeten Innen
das
wie gut auch
nicht wissen konnte
wie ihm geschah.
Und so wird nun jede
aber auch jede
Dosentomtensuppe
seitdem und auf immer
nach dem Erkennen dieses Nachmittags schmecken.
Nach dem Erkennen
wie ich erkannt bin.
Nach Finden
ohne gesucht
worden zu sein.
Nach
viel Linie und wenig Körper.
Wenn auch
viel mehr Körper
als du denkst.

32. Türchentag

Was treibt eine
dazu
auszuschlagen?
Hellgrün.
Und was drängt
sie
auszutreiben
geschnitten in den ersten
Tagen des Advent
im vergangenen Jahr
eigentlich nur
der schönen Früchte wegen.
– Und nebenbei: Hagebutten! Was für ein Wort. –
Die wacker
verschrumpelnd
dem Vergehen entgegen
sich neigten und dabei dann doch
sehen ließen
wie es ist
wenn da eine
ihren eigenen Willen hat.
Einen ganz eigenen Weg einschlägt.
Eine
die sich dafür vielleicht
von dir und mir
kaum mehr wünscht
als ein Bleibendürfen
in einem dunklen irdenen Gefäß.
Das
wie der Bauch der Erde
im Verborgenen Vertrauen wachsen lässt.
In das
was werden will
und wofür
es bitteschön keine Erzieherinnen braucht
die meinen
zu wissen
welchen Ausschlag es machte
wieviel dieses Kind in dieser Woche
in sich aufnahm
und ausschied.
Und was dann nämlich doch am Ende
nullundnichtigundeinwitz
ist
gegen alles von den Obrigkeiten Ungewollte
Ungewünschte
Ungewusste
das von Anfang an geschieht.
Wundervoll.
Erstaunlich.
Und nichts als ein Schweigen gebietend.
Am Beginn alles
Einfachsogemachten
vor dem
wir
heute und alle Tage
anbetend stehenbleiben.