Autor: jotpunkt (Seite 4 von 27)

21. Türchentag

Da steht er.
Und bei mir ist er schön.
Schön luftig.
That a bird could fly through it.
… if you are doing trees…
sprach John Wood
während wir Bäume malten.
Am Lake Minnetonka 1995.
Als er mich gestützt
von seinem Bauch
den er liebevoll Ferdinand rief
ins Flugzeug trug.
Are you okay honey?
Und der sich trotz Gichtanfall
nach viel rotem Wein und viel rotem Fleisch
heimlich Honig
aber ordentlich Honig
in seinen Porridge tat.
Schön war das.
In Mound
wo ich meine Haut zu zeigen
begann
und mein erstes erwachsenes
Kleid trug
mich meiner Kurven
nicht mehr schämte
und den Säcken
entsprang.
Frauensommer. Mit Karin und Gisela.
Duftende Großzügigkeit
und nächtliche Lebensgeschichten.
Da steht er.
Schön luftig.
Auch
weil wir das so mögen.
Das Väterchen die Puli und ich.
Denn dann passt was ran.
Und der Hybridbetrieb
mit Kerze und Elektro
hat mehr Platz.
Da stehe ich.
Hundemüde.
In Vorfreude.
In Erinnerung und Nachfreude
vor so viel Gnade.

20. Türchentag

Und so ist
das Leben
immer eine Reise.
Wenn auch die Ziele sich ändern.
Was du
im übrigen
niemals
gedacht hättest.
Jedes Mal nicht.
Das Gepäck
das zu Schultern ist
ist mehr
und mehr
und mehr geworden
im Lauf der Jahre.
Aber auch die Normalität
dass das
so ist.
Fieber hattest du diesbezüglich nie.
Abenteuerlust schon.
Und Wiedersehensvorfreude.
Hinzugekommen ist
die Sorge
ob das renitente heißgeliebte Katzentier
noch da sein wird
wenn du
wieder sa sein wirst.
Noch ist sie es.
Und hält sich wacker.
Oh Wunder.
Und schau.
Da steht er
dein treuer Heinrich
der vielleicht ein
zu deinem Charon werden wird.
Aber wenn, wohl nicht durch ihn.
Und wenn
dann
ist es schon jetzt vergeben.
Aber diesmal ist es ja
nochmal
Gottseisgetrommeltundgepfiffen
gutgegangen

19. Türchentag

Aussichten sind es doch
die uns ausrichten
Die guten
aber selbst die schlechten.
Die ziehen sich nämlich
gelegentlich
am schönen Tageslicht
das fahle Gespenstergewand
über ihre gespinstigen Knie
und blinzeln verschämt
in die Sonne
weil sie
nicht bewahrheiten konnten.
Jedenfalls nicht in Gänze.
Weil das ja
so ist
mit der Wahrheit
dass es nämlich
immer mehrere
Wahrheiten gibt.
So dass es selbst
beim Hinschauen
auf schlechte Aussichten
eine kleine
gute Laune macht.
Naja.
und dann erstmal die guten.
Sie heben den Blick.
Sie strecken die Kehle.
Sie shließen die Seele auf
nach morgen.

18. Türchentag

Und wenn du Fragst:
Wo geht es lang?
Sagt eine:
Da. Aber mach schnell.
Und einer:
Dort.
Andere sagen:
Weiß ich nicht. Aber wenn du es rauskriegst
sag mir unbedingt Bescheid.
Jemand sagt:
Weisst du das denn nicht?
Oder wer sagt:
Heute geht eh nichts mehr.
Und sie sagen:
Wenn du das nicht weißt
dann kann ich dir auch nicht helfen.
Dabei wolltest du
doch nur
dass jemand deine Frage
liebevoll bei der Hand nimmt.
Dich dazu
in seinen lichten Mantel hüllt
und seine Schritte
vor die deinen setzt.
Mal nicht vorweggehen müssen.
Mal nicht entscheiden
wohin
und dabei
den Wind abkriegen.
Sondern
am allerallerallerliebsten einem schönen Wesen aus Leuchten
aus Schutz und Zutrauen
aus Wärme und Gelassenheit
dich überlassen.
Vielleicht nur kurz.
Vielleicht auch länger.
So lange es braucht jedenfalls
bis es wieder
alleine geht.
Vielleicht dauert die Stunde
wie in Meister Horas Uhrenstube ja ein Jahr.
Vielleicht.
Vielleicht
hast du dafür
aber auch
die falsche Frage gestellt.

17. Türchentag

In dulci jubilo
Mit süßer Freude
steigt
orange Wärme auf.
Schon beim Zusammensuchen
der Ingredenti.
Wir waren all verloren
in Schwäche
und Verfröstelung.
Doch hat er uns erkoren
und kam aus der Erde
als wurzelige Kraft.
Und mit allem was es braucht
um
auf Misthaufen
Hochbeeten
Zäunen und Geländern
im Wettlauf mit fressbegeisterten Schnecken
rundbäckige Herbstfreude
wachsen zu lassen
die als Erntedankgabe auf steinerne Altarstufen
zwischen Dahliensonnenblumenundherbstasternsträuße und zu schwarzweißoderbacksteinrot
gefließten Chorräumen emporrankendes Weinlaub gelgt
sich vor dem Wunder dieses Gewachsenseins verneigen
und seiner Schöpferkraft entgegenstrahlt
und leuchtet Sonne wie die Sonne.
Noch im Topf
scheint sie
wenn Einheimisches sich mit Fernöstlichem
verbindet
das
hört hört
nun auch in mecklenburgischem Boden
Heimat findet.
Tröst mir mein Gemüte
du Süße und Säure
du köstlicher Duft
du nährendes Wunder
aus samtiger Konsistenz
die Schärfe in die Wangen treibt
und gleichsam schmeichelt.
Eia wärn wir da
wenn hier die Schüsseln gefüllt werden.
Wenn hier die Kelle
dampfend
Glück verteilt.
Eia wärn wir da.

In Dulci Jubilo - Hier spontan und ungeprobt, zur puren Freude eingesungen von Jana-Christin Walter und Karl-Bernhardin Kropf. Danke, Euch beiden!

16. Türchentag

Ein Streifen kein Streifen.
So wie auf dem väterlichen Flanellschlafanzug
der rufbereit aus dem
eiskellerigen Elternschlafzimmer kam.
Dem mit den gegeneinderschlagenden Doppelfensterflügeln.
Bei Durst
drückenden Falten
nächtlicher Antibiotikagabe
die heruntergewürgt wurde mit Apfelmus.
Mus zum Beispiel
vom mitten im Hof stehenden Cox Orange
von dem ebendieser
Pyjamaträger
auf der Halbzeit
der Schwangerschaft
die mich ausbrüten sollte
bei der Ernte des letzten Apfels
mit einem schauerlichen Ton
von etwas knöchern Hohlem
das auf Stein aufschlägt
herabstürzte
was den Fortgang meiner Ausbrütung nicht unmaßgeblich bestimmen sollte.
Ein Streifen kein Streifen.
Wie auf meinen
1992 selbst bemalten Leggings.
Schwarzweiß mit dickem Strich
nicht zu ordentlich gepinselt.
Wie hab ich die geliebt.
Bisschen punky gottseidankie
hätte Udo gesagt.
Die waren mit mir
in Florenz. In Siena. Volterra.
Und nach zweiwöchiger Husterei
Piruetten drehend im lang ersehnten toskanischen Regen.
Was mir ein Mütterliches Donnerwetter einbrachte.
Ein Streifen kein Streifen.
So wie meine untergehenden Muskeln.
Einer bleibt
einer geht.
Reise nach Jerusalem.
Und raus bist du.
Wie gut dass unter der gestreiften
die glatte Muskulatur wohnt.
Glatt wie Samt und Seide
schlägt das Herz sich durch.
Gegenan.
Den schwindenden Motoneuronen zum Trotz.
Ein Streifen kein Streifen.
So durchzog heute ein Duft von Linzer Schnitten
köstlich köstlich
meinen fast den ganzen Tag währenden Schwächeschlaf.
Wegen Bauchkniepen
liegengeblieben auf blauweißem Riesenhandtuch.
Ein Streifen kein Streifen.
Dabei wäre
so viel zu tun gewesen.
Aber das muss ja auch mal sein.
Hätte Otto Krüger gesagt.
Seines Zeichens einst
Produnktionsleiter in der Pflanze
Gesagt zum Beispiel
während er
Gift auf die Beikräuter in der Marsiskeschen Steinwüste unseres Hofes in der Wiesenstraße ausbrachte.
Oder etwas schadstoffärmer
im Schrebergarten seine
Stiefmütterchen goss.
Ganz odentlich in Reih und Glied
Ein Streifen kein Streifen.

15. Türchentag

Und dann
fällt die Zeit
schnippschnapp
von dir ab.
All die Tage
Wochen
Monate
All das
womit sie
sich aufgeladen hat
weil es dir
aufgeladen war
und wobei du dich gefragt hast
wie es mit seinen Bürden
in ihrer Sperrigkeit
hineingepasst hat
in die Tragfähigkeit
deines Schädels.
Vielleicht nur
weil dieser Schopf es packte
sich selbst an den Haaren
herauszuziehen
aus dem Schlammassel
immer wieder
während die Schlammassel
vom Zusehen
fast hintenüber fiel.
Vielleicht aber auch deshalb
weil eine lockige Sprungkrraft
es auf die gesplissten Spitzen getrieben
und sich resilient
bei jeder Niederlage
zuweilen störrisch aufgerichtet
und dann wieder neu
sich in Form hat bringen lassen
von deinen guten Geistern
Feen
Engelinnen
Frauen.
Deren Hände sich
im besten Falle
eher erinnern
als ihr Kopf.
Und dann fällt
schnippschnapp
die Zeit.
Fällt sich kringelnd
zu Boden.
Lockend.
Es doch gut sein zu lassen.
Von Vorn anzufangen.
Verschlankt
und auf das Geheimnisvollste erstarkt
und energiegeladen.
Diametral verkehrt zu dir
Simson mein Freund
der du am Ende auch nicht
ungeschoren davonkamst.
Vielmehr voller Freude
über das gestutzte Glitzern in grau
und die Kontur
die dir so gut
steht.Und liegt.
Weil also
schnippschnapp
die Zeit gefallen ist
und nebenbei jaja
mitunter auch
gefallen hat
steht nun
und unsichtbar für immer
leuchtend Gottes Bogen
über der zurückgehenden Flut.
Und nachdem
die Vögel wieder wissen
wo und womit sie
ihre Nester bauen
ausbleiben und Gottlob
ihr Ding machen werden
wird
solange jemand den Mut hat
in seine Arche einzuladen
zu retten was zu retten ist
und sie
beizeiten wieder öffnet
um zu gehen und zu bleiben
nicht aufhören
Saat und Ernte
Sommer und Winter
Frost und Hitze
Tag und Nacht.

14. Türchentag

Wie wäre das
wenn eine käme
sich
zum Beispiel morgens früh
an einem dritten Advent
den Schlaf aus den Augen schüttelte
sich aufsetzte
und alsobald
aus ihrem 14. Kalendertürchen
ein Würstchen zöge
dies sogleich verfrühstückte
samt Bäuerchen danach
und anchließender Wurstwolke im elterlichen Schlafzimmer
und sich dann
ein Spiel ausdächte:
„Ich bin Claudia du bist Raymond.“

So.
Nun.
Also. Jetzt kommst du.
Was würde da gespielt?
Fragt sich
fragt dich
mein banges Herz.
Streit
und Unverzeihen
Sprachlosigkeit
Verzweiflung
Ferne?
Klarwiekloßbrühe.
Denkstduwohl.
Aber ach. Neinnein. Weit gefehlt.
Was hier eine spielt
die Anni heißt
und dann nochmal
mit getauschten Rollen
und in glasklarer Selbstverständlichkeit
ist nichts als
das Schönste
Liebevollste
Innigste
was sich denken ließe
wenn uns beide
dichundmich
eine
auf den Punkt bringen will
weil sie ganz genau
hingeschaut hat
mit ihrem klugen Herzen
dem Nixundniemand
etwas vormacht:
Nämlich
und in konsequenter
unumstößlicher Logik
wäre dieses Spiel
mit Namen
„Ich bin Claudia du bist Raymond.“
nichts anderes
als
ein Füßezudecken.

13. Türchentag




Das trocknet gut heut
sprach Oma Lina
wenn es Wind und Sonne hatte.
Welch eine
Zufriedenheit
unnachbaubar
und vonobenhergegeben
wenn die Witterung stimmt.
Und überhaupt
könnte
bitte irgendwer
endlichmal
das Nasenundseelenundherzundleben bezaubernde Geheimnis
von an der Luft
getrockneter Wäsche
erklären.
Dieses Katapult zurück
in einen
Kinderwagen
der im Frühling
auf einer Pfarrwiese unter Streuobstbäumen
dich in Obhut hat
in einer Welt
die duftet
nach Trost ohne Grund.
Nach Zuversicht
Nach vollkommenem Geborgensein.
Und überhaupt
ist da
diese Linie
von Großmutter
auf Mutter auf Tochter und Tochter
und
Nichten und Urenkelinnen.
Und dann
kommt
eingeflogen mit dem Sturm
von der Insel
eine Wilde Helena.
Großmutter der heutigen Tage
die in ihrem hohen Alter
je nach Tagesform und Lustundlaune
quietschvergnügt
sich zu entscheiden wagt
ob Unterwäsche oder nicht.
Weil sies kann.
Weil sies darf.
Weil sies mag.

11. Türchentag

Dchinn oder Gin
das ist hier
die Frage.
Obgleich
das eigentlich am Ende
gleich ist.
Gestöpselt sind sie beide.
So wie ich.
Und so
sind wir denn
schon drei
die ein Lied singen können
davon
wie das ist
verkorkt zu sein
da
wo der Geist wohnt.
Der Geist
im Wachholder
in der Flasche
in der Kehle.
Raus wollen sie
und sich
der Welt bemächtigen
die so gern
auskommen möchte
ohne sie.
Mensch dieser Welt
lass dich begeistern.
Mit Lunge
Leber
Leib und Leben.
Sei gut zu jenem Wesen
das in deiner Drosselgrube
deiner Nefesch
deinem Jugulum
drauf wartet so
wie alle guten Geister
die du verlassen hast
dass du
den Stöpsel ziehst.
Sie warten auf dich.
Wach
und handlungsstark
getrost
beherzt.
Gegen allen Irrsinn dieser Tage.