Autor: jotpunkt (Seite 5 von 27)

12. Türchentag

Drei Haselnüsse
für
die Königin in dir
die heute noch
in Sack und Asche ging
den Erbsenzählerinnen aufsaß
ausgeschlossen
verkannt
missachtet
ausgenutzt.
Nimm
was dir an die Hutschnur geht.
Was dir als Mitbringsel
nie wirklich
was getaugt hat.
Schau es dir an.
Vergiss es nicht.
Und auch
wenn du jetzt nicht mehr
damit zu tun weißt
heb es gut auf.
Lass Rosalie mit scharfem Auge gut darüber wachen.
Und du
erfahre unterdessen
was du brauchst und was nur dir gehört.
Selbst
in der Bedrängnis schlechter Bedingungen.
Raum für dich allein.
Freundinnenschaft.
Der Stolz
deiner ungebrochenen Seele.
Luft zum Atmen.
Wenigstens ab und zu.
Und dann
wenn die Zeit kommt
wirf es weg
was dich vor den Kopf gestoßen hat.
Im hohen Bogen.
Was aufbricht wird dich trefflich kleiden
in silber und gold.
In Mondschein und der Sonne Glanz.
Es wird dich
Nikolaus den Guten
aus dem Stall wegstehlen lassen
und du wirst eilen
zum Tanz.
Teilhaben
wirst du
am Fest des Lebens
als die
die du bist.
Und wirst
dir
ab jetzt nur noch
den Schuh anziehen
der dir passt.

10. Türchentag

Denk nicht
in deiner Drangsalshitze
zu viel an dein Verlassensein.
Und sowieso
ist doch immer die Frage
wer
hier wem
im Schoße sitzt
und sich aus stetem Glücke speist.
Bin ich‘s? – Hört mein ungläubiges Ich sich fragen.
Du bist es. Höre ich
mein liebendes Herz
diesem Wesen ins Ohr sagen
während es seine Krallen
tief
in meine
Oberschenkel gräbt.
Dieses schnurrende Geschöpf
das
uns zum Heil erkoren
vor 14 Jahren in unserem Garten ausgesetzt
noch immer am Leben
ungeahnte Dinge tut.
Ungeahnte Plätze bevölkert
und ganz neue Laute
für uns
erfunden hat.
Also.
Wer trägt hier wen?
Wer lässt hier wen
wenn Not und Trübsal Blitzen
sich hinter den Ohren kraulen?
Wer kann hier nicht ohne
wenn auch nach
Verzählungsrevision
irgendwann Schluss sein müsste
und auch
das siebente Leben
mal vorbei ist.
Wer wird hier
ohne müssen?
Die Folgezeit verändert viel.
Und der
dem keine Ziele gesetzt sind
und der zuweilen allein
in einem gestreiften haarigen Gegenüber
deine Zuversicht ist
der kehre deine Sorge in Durchblick
deine Sterbensangst in Vertrauen
und deinen Abschied in Ewigkeit.

9. Türchentag

Denn
wir haben hier
keine bleibende Stadt.
Keine
Sicherheit
dass Stein auf Stein
bleibt
und nicht
ein Erdrutsch wie er
sich
in diesem Leben gernemal
unter Sonstiges
auf die Tagesordnung setzt
alle Zeitpläne
Kompetenzen
und Resilienzpfründe
sprengt
und jedes
Protokoll.
Keine Garantie
dafür dass es jetztdannaberauchechtmal einfach sein darf
nach allem.
Nix is.
Kein Schongang
in der Daseinszentrifuge.
Kein sanftes Dahingeplätscher
auf der Handbreit Wasser unter dem Kiel.
Stattdessen Wildesee
Landunter
und schwankende Fundamente.
Aber dann da.
Schau her.
Über deinen sich füllenden Kisten mit Überlebensgut aus knapp 18 Jahren
über deinem immerbereiten Rettungswagen
vor der Tür
über Chaos
Verzweiflung
und tausend Fragen
leuchtet ein frischer Mut
der vielleicht
gekommen sein wird um dir zu bleiben
weil es dir
auf einmal
plötzlich und in strahlender Klarheit aufgeht
dass nämlich Advent
von Adventure kommt.

8. Türchentag

Was die Bäuerin kennt
das liebt sie.
Und kennt sich aus
mit der Kunst
den Speck nicht zu kross
die Zwiebeln nicht schwarz
und die Kartoffeln doch knusprig werden zu lassen.
Am schönsten
wenn sie sie
zwischendurch
immermal
fliegen lässt und
verlässlich
mit Könnerinnenhand
und Kennerinnenauge
wieder einfängt.
Die haut
nicht einfach
wen in die Pfanne.
Das wäre weit gefehlt.
Sie lässt tanzen
und im rechten Augenblick
unter Zugabe
von zwei Buttterflocken
petersiliengekrönt
spiegelig fließend stocken
was eben noch unfest war
und nun ein Fest
ist eine Metamorphose
ein Zusammenhalt.
Fluffig und
nicht
zu homogen
im besten Fall
gleitet es
bereit zu Umundwiederkehr
aus der Pfanne
und allsogleich in sie zurück.
Ganz heil
für ein paar letzte Minuten.
Damit obenwieunten wird.
Damit sich einschließt
was im Kern
nur leicht geschichtet
sich offenlegen wird:
Ihr köstliches Frühstück.

7. Türchentag

Zwei Lichter
von Vaters her.
Alles hübsch geordnet.
Durchgetragen. Über Wege und Meter. Mit Deutschlandticket.
Die Rosenschere im Parka.
Hell.
An finsteren Tagen.
Weil er dir grün ist.
Egalwie. Gewunden und gewickelt.
Ausgehalten
auch wenns pieckt.
Auch wenn da
mal
was querliegt.
Zwei.
Mit Aussicht auf mehr.
Zwei
in der Verheißung
dass da noch was kommt.
Aber vor allem
schon etwas ist
was spürbar den Raum füllt.
Ein Duften.
Ein Verbundensein.
Ein Reigen aus Licht
in das du
unverwunden gebunden
gehörst.

6. Türchentag

Licht
tröpfelt ins Morgengrauen.
Zwielichtig. Fahl. Dazwischen.
Es perlt ein Morgen ins Grauen.
Ein Hell ins Dunkle.
Licht von gesstern ins morgen.
Ton für Ton.
Wenn getrost
vor
jeder Sonne
und gegen all
dein Verzagtsein
Vögel singen.
Weil sie
bescheidwissen
die alten Klugscheißer
wann die Nacht
zu Ende geht
die vorher doch
noch Kälte fallen lässt
noch vor der Dämmerung.
Wenn der Morgenstern
ersehnt
erbeten
herbeigesungen
sich zeigt.
Im Dunkeln.
Im Zwielicht.
Im Hoffen
auf ihn.
Und dann
liebe Nachtschichtlerinnen
geschieht es.
Ihr kennt es.
Ihr Hirten bei den Schafen.
Ihr Hebammen
Ihr Pflegenden
Ihr Menschen am OP-Tisch
in der Raucherpause,
Ihr Hüterinnen des Worts, um das ihr ringt bis in den Morgen.
Ihr wisst
er kommt.
Es kommt. Es kommt ein Morgenstern. Verlasst euch drauf.
Den Lebenden zur Hilfe. Den Sterbenden zum Trost.
„Oh, Oh komm, du Morgenstern“
Komm. Mach mich frei
von Knechtschaft
und von Thyrannei.
Und dann
ruft wer in meine Dämmerung hinein:
Freut euch.
Freut euch.
Der Herr ist nah.
Mächtig. Gewaltig. Sprachlos machend. Groß.
Freut Euch. Und singt Hallelujah.

Imprvisation von Christian Thadewald-Friedrich zu EG 19, im Greifswalder Dom, am 05.12.2025

5. Türchentag

Und weil
sich ja auf einem Bein
genauso wie auf zwei dreien
und selbst auf allen vieren nichts
auf die Beine stellen lässt
seist du gepriesen
du Myriapod
des Netzwerkens
du vielgesichtiges Wunderwesen
dessen Augen stets mehr sehen
als zwei
aus tausend Perspektiven
und dessen viele Hände
Gottlob
niemals
ein Ende machen
sondern stets am Guten weiterbauen.
Gepriesen drum
das Herz
das sich
zu spüren weiß
im Resonanzraum andrer Herzen.
Gepriesen sei die Schöpferkraft
die uns
in diesen Raum stellt
den wir teilen
aneinander
gewiesen
verbunden
getrennt
begabt
mit uns und miteinander.

4. Türchentag

Gleich
zweimal gemogelt
und doch
ei mein Blümlein
aus Jesses Wurzel
wenn auch ach Herrje
einen Tag zu spät
aus dem Ärmel gezogen.
Sankt Barbara
mags nachsehen.
Auch dass
Boskop statt Kirsche
aber nichtsdestoweniger
es die Zweiglein
der Gottseligkeit
sind
die schnippschnapp
aus Nachbars Garten
aufgesteckt
mit Andacht Lust und Freud
und eingestellt
in Liebe
sich
des klatsch ich in die Hände
als Hosianna
Himmlisch Manna
auf der
Zunge zergehen lassen.

3. Türchentag

Von zuhause
nach zuhause
sind wir
unterwegs
das ganze Leben
im Gepäck
der nase nach.
Die
wird dir anzeigen
wo du bist.
Wittern wirst du
wo Heimat ist.
Hier und da.
Und aufjedenfall
im
vondirzumirzuihr
wird sie
sich bemerkbar
machen.

2. Türchentag

Zwischen
sieben Leben und dann doch sterben
zwischen
Angst und Hoffen
Abend und Morgen
Tag und Nacht
früh und spät
Abschied und Wiedersehen
zwischen
zu zeitig und genaurichtig
gleich und vorhin
und immerda
zwischen ersehnt und schon da gewesen
zwischen flüchtig und präsent
verlässlich und selbstbestimmt
zwischen Segen und Fluch
Besitzen und Auserwähltsein
zwischen
Festhalten und Loslassen
Liebe und Schmerz
Dankbarkeit und Verlassensein
zwischen
hier und dort
halte ich dich im Herzen.