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51. Türchentag

Ganz für sich selbst
steht er.
Der ewig unterschätzte
Schatz der guten Küche.
Nicht salzig
und nicht süß
nicht flüssig
und nicht fest.
Ein Essen
und kein Essen.
Ein weißes Blatt
das gänzlich unbeschrieben
bleiben wird.
Er ist nicht
dafür da
Beilagendogmen zu erfüllen.
Als käme irgendwas hinzu
sein Dasein
zu berechtigen
aufregender zu machen.
Und auch nicht
dazu
irgendjemands Schärfe
abzumildern.
Neinneinneinnein.
Er ist
das beste Frühstück
für bewegte Zeiten.
So schlicht.
So schön
nach nichts
schmeckt er.
Und sovielmehr.
Nach trostverheißender
Elektroplattenwärme
gemächlich
hoch
ins Wasser aufgestiegen
und das gerührt
zum Quellgrund
sich ergab
um nun aus Staub und Staub
erwärmend
sanft und blande
wie Muttern sagt
der gastroenteral sensiblen Lebefrau
geschmeidigst
vom Löffel
noch heiß aber kühl genug
hinunter
in den Schlund
und auf dem Weg
mal eben am Herzen vorbei
wohlig warm
neutral verlässlich
als schonköstliche Schweiz
könnte man sagen
sie
die bewusste Lebedame
von innen her
aufs Schönste
auszukleiden.

50. Türchentag

Wie
die neugeborenen
oder gar
ungeborenen Kinder.
Durchleuchtet
in Vorfreude
und in Bange. Ist ja so.
Heil ist da ja eine schlechte Kategorie. Alle Befürchtungen sind
so nah.
Aber heil ist doch so viel.
Oder wenigstens halb.
Geschraubt
gestützt
auf dem Weg.
Auf dem nun ich daherkomme.
In dieses Jahr.
Bloß
aber nicht nackt.
Was hätte ich denn zu verbergen?
Erleichtert unter dem
fragilen Leibgewand
das mich nun
seit 48 Jahren trägt
und schützt
und mein Zuhause ist.
Mein Ort. Mein Instrument. Mein Wesen.
Durch alles
trägst du mich.
Gewachsen wie es dir gefiel
und wie es möglich war.
Du bist die allerbeste
Komplizin
aller Zeiten.
Du bist
mein Leuchtturm
wenn die Seele Ufer braucht.
Und seltsam unbehelligt schlägtdas große Herz.
Und wünscht
dass alles Platz hat
was das Jahr verlangen wird.

49. Türchentag


Und dann gibt es
eben doch
bei aller
verachtungsvollen Konsequenz
zweibisdrei
halbe oder ganze
Ausnahmen
auf der Liste im Leben
die Instantprodukte rechtfertigt.
Eins davon ist
ganz besonders
wenn er an einem Freitagmorgen
um zehn
nach dafür notwendigem Frühstart
um 5:30 Uhr
aus einem Krankenhausautomaten
von Darboven gezogen
und deshalb oder immer eh
immer
ein bisschen nach Kaffee schmeckt
Zitronentee.
Oh Zitronentee!
Was warst Du
die Wunderwaffe
gegen die Übellaune.
Von Kindern
Erwachsenen undsoweiter.
Energie sofort. Und sei es
unaufgelöst aufgeditscht
vom angeleckten Finger.
Verheißungsvolle Würmer
aus Zucker und Aroma.
Süßsauer. Lecker. Toll.
Himmlisch vollständig.
Wie hab ich es geliebt. Keine Ahnung
wo Gisela
ihn immer herhatte.
Ausm Deli. Oder direkt ausm Westen.
Ich weiß es nicht.
Und Jonas.
Der Superneffe.
Dem
wenn immer ihm ein was quer lag
Zitronentee
verabreicht wurde
Stets begleitet vom Ausruf meiner Mutter
schlau
und immer
ein wenig
allesübereinenkamm:
Das Kind ist total unterzuckert!
Denn
manches vergisst man nie
als könntest du mit sowas
irgendwas gut machen
aber das Gute ist
dass dieses grosse Kind
sich also inzwischen
den allerbesten
sehr analogen Zitronentee baut
der sich denken lässt.
Earl Grey.
Kochendes Wasser.
Am besten das gute Hallesche.
Zucker.
Zitrone.
Dann sind wir
auf jeden Fall
nah dran.
Wenn auch niemals
an dem etwas hektisch stumpfem Plastikschraubgeräusch
einer etwas laveden Dose.
Oder
dem schön geschnodderten Geräusch des Automaten.

47. Türchentag

Es parliert
von italienisch
nach deutsch.
Von Süd nach Nord.
Im Frieden einer winzigen Kombüse.
Und unerkannt trägt es
wohlmöglich
die Früchte
des Verstehens aus der Ferne
ins Hier. 
Süßsauerschlicht.
klar und üppig.
Wir haben es nötig.
Was wir entbehren
worum wir anriefen
und flehten.
In unserer nordeuropäischen
Kargheit.
Dass doch endlich
Frieden werde.
So wie der doppelt traurige Wolfgang
von der Hotelbar
den auch Don Carlos
nicht trösten konnte.
Weil wir es nicht in der
Hand haben.
Nicht verfügbar.
Dem wir nur dienen können.
So wie Zio Nardino.
Der seit 1970 in Deutschland zuhause ist.
Mehr ist nicht zu sagen.
Über die Umstände.
Aber schon über die unglaubliche Eleganz
furios
auf die Bretter
seines Einraumlokals gelegt.
Hüftbeweglich.
Grazil. Souverän.
Aus der Distanz
vieler geschaut
ganz besonders derer
die nicht
aus dem Westen
sondern
dem Osten
wo es nicht so
draufankommt
wer Katz und Maus ist
bestaunt.
Alldas durchtrotzt eine wackelige Kinderschrift
die das alles ignoriert
und in den Schatten stellend
an das Gute glaubend
ohne eine Herkunftsperspektive
einfach mit Kreide drunterschreibt: Super Essen.

 

47. Türchentag

Und dann wirft eine
im Licht
einer tiefstehenden Wintersonne
mit wenn der Wind nicht wäre
mal gar nicht so wenig Kraft
an einem Januartag
der
immerhinimmerhin
mit spürbar zunehmenden
Lichtstunden daherkommt
ihr Herz
in den Himmel.
Vielleicht flog es auch.
Von selber.
Oder jemand nahm es
und ließ es
fahren dahin dahin.
Ungeachtet
der Bindung
ohne die es
eingegangen
jedenfalls eine Zeitlang
des Schlagens nicht imstande gewesen
wäre.
Dahin dahin.
Hinauf in jedem Fall.
Über Sund und See
in Wind und Wolken
entgegen der Anziehung
der Erde
zum Trotz
denen
die da tönen
von der Flugunfähigkeit
der Herzen
erstrecht
im Winter.
Und siehe
da
stimmt es doch und stimmt es nicht.
Denn im verzweigten
Geflecht
seiner Verbundenheiten
verfängt
vielleicht auch bloß
sich der Gedanke
dass es dann
doch schöner wär
nicht schwerelos
wohl aber
gehalten
spielend mit Sonne und Möwen und Wind
mit Blick auf die Wurzeln
zu bleiben.

46. Türchentag

Eigentlich
warst du
Prinzessin.
Königstochter
Schlossbesitzerin
Kutschenchauffierte
Krönchenträgerin
der immer jemand die Schleppe trägt
und die
alterslos naiv
beschützt
umzäunt von hohen Mauern
dass auch
keiner kommt
und dir was will
tagein tagaus
mit goldenen Kugeln spielen kann.
Eigentlich
hättest du
jeden Tag
aus diamantbesetzten
Pokalen trinken sollen
und von güldenen Tellern speisen.
Du
die du
deine knappen Einmeterfünfzig
stets
und eisern
auch bei Glatteis
mittels High Heels
upgegradet hast auf satte 1,55.
Immer
wie gerade frisch aus dem Ei
gepellt.
In cremweiß oder rosa.
Du Shoppingqueen.
Meisterin der Entsorgung
die du
alles Besitz
regelmäßig vernichtet
und neubeschafft hast.
Was Flucht und Vertreigung
so machen.
Und du die
mit harter Hand und Nagelschere
ungeliebte Schwiegertöchter
aus Fotoalben
und deinem Leben
enfernt hast.
Du die sich
niemals trösten konnte
über frühe und späte Verluste
und so zerbrochen
voll Angst
vor Menschen
und zugleich voll Sehnen
nach erfülltem Leben
dass auch alle
von dir
ungetröstet blieben.
Du die
die Leere
in sich sausen hörte
und nur noch eine
große Liebe kannte
die dich erblühen ließ.
Der eineeinundeinzige
mutige
schlossundriegelbrechende
Lieblingsenkel Tim.
Nun bist du
uns vorausgegangen.
Vielleicht zum ersten Mal
in deinem Leben.
Friede sei mit dir.
Licht und Verbundenheit.
Und Vergebunng
hier auf Erden.
In Ewigkeit.
Amen

45. Türchentag

Sie ist
eine
für alles.
Und auf jeden Fall
für Vatis Klassiker.
Den Standardsalat.
KörnigerFrischkäseTomatePaprikaZwiebel.
Kräuter. Ganz wichtig.
Wenn auch TK.
Viel Olivenöl.
Keine Ahnung
wo sie einmal herkam
aus Exfrauenbestand mit spitzen Fingern
aussortiert.
Keine Ahnung
wen sie schon
getragen
ertragen
was sich in ihr schon zugetragen
hat.
Bauchig wie sie ist.
Vielleicht sogar
etwas zu sehr.
Aber gut zu gebrauchen
jedenfalls.
Auch in dem Moment
als ich dachte
entronnen zu sein
der Rostocker Pesthöhle
und dann doch
das Übel
schon
mitgebracht hatte
in mir.
Und ich
flau und grün
in ebendiese Schüssel
mich entleerte.
Weil sie die einzige war
die sich hergab.
Am schönsten Ort der Welt
der Gondel
im Helsinkiring.
Vier Treppen hoch
getragen.
Erst die Dinge.
Dann die Batterien.
Dann die Frau.
Der Rolli blieb
abgeschossen
im Abstellraum
im Erdgeschoss.
Ich aber hinaufgebracht in die Geborgenheit
wo es außer Fußboden
und
einer großen schwarzen Matte drauf
nicht viel
gab
als den 
Blick aus dem Fenster
der ganz ohne
die Neubaublöcke ringsum auskam
und vor allem
sämtliche Arten von Himmel
beschherte.

44. Türchentag

Das Licht
von gestern
heute
immer
und morgen
legt sich um
dein jetzt.
Wärmend.
Gewiss. Und Weise.
Weil es
von alters her
klar ist.
Dass da immer etwas sein wird.
Dass niemals nicht
dich jemand trösten wird.
Dass niemals
keiner auf dich wartet
so lange du auch brauchen magst
dich zu entscheiden
wo.
Dass immer wer zu dir
und nur zu dir
unterwegs ist
um dich hineinzutragen in das neue Jahr.
Immer wird
dir jemand
in weisse Gewänder getütet
und unter weihnachtlichem Buntschein*
frühblüherduftend sagen
Dabinich. Vertrauaufmich.
Ich trage das Neue
dorthin
wo das Alte
noch Platz hat
im
sich schälenden
blätternden Gold des Festes.
Und über Tod
und Leben
über Gehen und Bleiben
über Fragen und Schmerz
will ich
meinen Segen legen
auf dich.
Wie ein
Kaschmirtuch.

 

* Buntschein-Kerzen gibt es bei Freund Eckart in Halle. Sososososo schön!

43. Türchentag

Und wieder
geht die Sonne auf.
Über Gute und Schlechte.
Über die schlimmen Finger und die Gerechten.
Über Hoffen und Verzweifeln
einer dunklen Nacht.
Über allen
die heute geboren
und allen
die heute sterben werden.
Über allen
die hungern
und über den Zufriedenen.
Alle sind
alle leben wir
unter der selben.
Unter ihr.
Ihrem Kommenn und Gehen
das uns nie
verlassen wird.
Auch wenn
sobald sie
die Nacht durchbricht
mit ihr
sich auftun wird
was zu allem Liegengebliebenen
von gestern und vorgestern
noch hinzukommt
zu dem
was du
vom Heutigen
wenn du schlau warst
noch nicht vorweggenommen hast.
Alles immer bereit
dich aufzufressen.
Doch
sorge dich nicht.
Denn wie
so wahr so wahr
dir weitergesagt ist vom Evangelisten
ist es genug
dass jeder Tag
seine eigene Sorge hat.
Verlass dich also
darauf
dass sie
die so über dir wacht
auch weiß
was du ihr bist
als ihr Gegenüber.
Verantwortlich für dich
und die Weit
die
so wie du
unter ihrem Glanz
erstrahlen darf.
Denn ihrer ist
das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit.
Dein aber ist es
von ihr zu künden.

42. Türchentag

A-B-C
die Katze lief
darin herum
und zog sich garnichts
auch wenn
das eigentlich ja
g a r n i c h t zusammengeschrieben gehört
zu oder gar an.
Nein.
Leichtundbarfüßig wie ein Reh
spaziert sie
durch das weißer als weiße Weiß
hält der Kälte
elegant die Zehen schüttelnd stand
blinzelt kurz
ins gleißende Hell
und dann ist auch wieder gut.
Dann flink wieder rein
huschhusch auf die Heizung.
Denn
die Blümelein
sie schlafen.
Selbst die Christrose
macht die Blüte zu
und die Mäuse
schlafen den Schlaf
der Gerechten.
Wollen wir nicht hoffen
dass es
die Gerächten sind.
Denn dann hätte
das Tigertier ganzundgarnichts
zu lachen
angesichts all der erbeuteten
zutodegespielten
und am Ende
bis auf die
fein säuberlich zur Seite gelegten Gallenblasen und vielleicht ein nackiges Schwanzende
verspiesenen Kleinstnager
derer geduldig
und wie gebannt
gespannt wie ein Flitzebogen
und immer zum Sprung bereit
geharrt wurde.
Um ihnen dann
als Finale furioso
ein Kunststückchen aus
ichhabdich
und
ichkriegdich
angedeihen zu lassen.
Und das aus keinem anderen
als dem Grund
sie mürbe und bekömmlich zu machen
für den fürnehmen Katzenmagen.
Wer sich sowas ausdenkt
muss schon
denk ich mir
eine kleine
Lust am Morbiden haben.
Du lieber Gott.
Ganz offenbar.
Belustigt
dass wir nicht
daran vorbei kommen
dass wir Wesen sind
die Wesen essen
so schnurrend
kuschelzahm
und flauschig wir auch scheinen mögen.