Alleinsein

„Ich bin viel allein
aber das kennen Sie ja sicher“
Sprach Frau O.
vom Stockwerk drunter
und hatte keine Ahnung
wie schief sie lag.
Keine Ahnung
wie kostbar
jede Minute alleinsein sein kann
für eine wie mich.
Mal unbezogen
wie ein Bett ohne Besuch
auslüften
ungeglättet.
Mal nur mit sich
in den eigenen vier Wänden
des eigenen Geistes.
Mal ein Schweigen.
Mal kein Gegenüber.
Mal höchstens
am Weg gepflückte Assistenz
ohne Vertrag
aber im Vertrauen
der Welt
Extrawürste noch und nöcher
zuzumuten:
Handy hoch
Kleid aus dem Rad
Buch aus dem Rucksack
und den Restschluck aus dem Glas an den Hals gesetzt.
Und die Puschkinorampe hoch
mit 45° Steigung.
Halsundbeinbruch anheim gestellt.
Und Freundlichkeit wie Irritation
pflückst du mit
als Beikraut.
Für den Preis der Freiheit.
Ein Glück.
Dass Sommer ist.
Und die Hand mitmacht.
Und die Seele
beim Angstlernen gefehlt hat.